Bisslüstern bis zum Knie

Nicht mein Satz. Nicht meine Worte. Geliehen das Komma, der Punkt, das Fragezeichen. Auch der Absatz: Fehlanzeige! Das Lächeln: second hand. Der Augenaufschlag: Nicht mein Ass. Nicht mir die Angst auch, die dich trägt. Verzagt. Verzärtelnd. Vor sich her. Schild und Schale. Spiegel mitunter. Mir. In guten wie in Regenzeiten. Wetterscheide deine Wut, die erst aufzieht, wenn mein Wundern sich schlafen legt.

Sich schlafend stellt zumindest, dösend dem Unmöglichen meinen rechten Zeh kredenzend. Bisslüstern bis zum Knie. Barbusig die Kniescheibe gar, sagt dein Blick, der meiner Wade gefolgt war. Ich wünsche mir ein Unwetter auf die nackte Haut. Ein reinigendes. Eins mitohne Blitz. Das mir Gänsehaut und dir ein Gähnen abverlangt. Ein Grollendes. Unaufhaltsames. Küstengeborenes. Was sag ich, eins mit Fernweh auf den sandigen Lippen.

Eins, das Zähne zeigt. Mit geschlossenen Augen. Sätze im Handschuhfach hortet, die Ruhe bergen. Vor Sturm. Scham. Und Kleinlichkeit. Die Räume öffnen zwischen geliehenen Schenkeln. Vokalumsäumt und schüchtern wie vorm ersten Kuss. Auf die Knie! Auf die Wade! Auf den Handrücken die Lippen gesetzt – Gaze war gestern – und wieder von vorn. Wortlos zwischen Satzzeichen wandelnd, das Lippenpaar Tango lehren.Und Kasatchok. Und Pfeifen!

Tanze, Gerda, tanze

Tu alles was du machst so, dass es dir gefällt!

Heute nehme ich dich an die Hand, Gerda, und zeig dir Berlin! Du, Junikind weisst, es gibt Erdbeeren, auch hier an an jeder Strassenecke. Nicht so sonnenwarm, wie aus deinem Garten damals, als die Kracher am Baum noch nicht reif, der Pool in der Mitte noch nicht ganz warm, aber du zuweilen im Badeanzug. Seltene Augenblicke. Sommernachtsblinzeln. Adieu.

Meist standest du in der Küche. Hast für die Küche geerntet, eingekauft, gehamstert über Grenzen hinweg. Von dir habe ich den Wert eines ordentlichen Vorratskellers gelernt, mit Schokolade satt, Schnaps, Gemüsebrühe und händisch eingelegten Gurken. Dass Geschichten es wert sein können, mehrmals erzählt zu werden. Und Mahlzeiten mehrere Stunden Vorbereitung und Silberbesteck. Du hast mir gezeigt, wem welcher Serviettenring gehört , wann welche Tischdecke gefragt und wann welcher Kloß! Auch, dass nicht jedes Bein Rocksäume kleidet. Letzteres hat mir lange zu denken gegeben.

Du wusstest mich für Astern zu begeistern, Zirkusartisten und Tie Break, ja, für Nachmittage in kurzen Röcken dank brüllender Hitze auf Sand. Rotem Sand: Tennis hat dich 90 Jahre lang genussvoll außer Atem gebracht . Das schaffte sonst und auch nur annäherungsweise Doppelkopf. Ein Abend jeder Woche gehörte den Mädels, da musste sogar das Telefon ruhen, das dir sonst – vorzugsweise mitternächtlicher – Draht zur Welt. Welche Oma konnte man mit ruhigem Gewissen nachts um halb zwei anrufen, um gemütlich eine Stunde zu plauschen?

Du hast zwei Männer überlebt, Vögelchen, das du zuletzt warst. Zuletzt kamen nur mehr deine Lieblingsspeisen über deine Lippen – die Wurst jetzt konsequent ohne Brot und nur vom Lieblingsmetzger, die Schnapspralinen aus der Schweiz, Gurkensalat mit extra Dill, der Likör aus der orangenen Flasche und überhaupt wer braucht schon Vor- und Hauptspeise, wenn er Dessert haben kann? Sauce war dir immer wichtig, die vom Braten, der Ente, der Zunge, die zum Lachs oder zum Kirschenmichel und so durfte zum Zitronensorbet der Wodka nicht fehlen!

Dein Lieblingsrestaurant mit dem Südschwarzwald zu Füßen war vor dir von dannen gezogen, sie hätten dir heuer ein Sommermenü gezaubert, zart und kräftig, mit Wildschwein und Pfifferlingen, Spargel und Himbeeren, Rosenblättern und Estragon. Und Quittengelee, obwohl du das wahrscheinlich selbst mitgebracht hättest und mit einem verschmitzten Lächeln dem Wirt persönlich übergeben.
Tanze, Gerda, tanze, jetzt erst recht!

Serve and Volley

Rakete, halbwach

Ich möchte ein Buch sein, ein Film, ein Titel nur, Aufschlag von rechts und die Faust in der Tasche. Die Faust, die nicht aufgeht, den Finger nicht freigibt, der sich um das lüstern säuselnde Kapitelbändchen geschlungen hat. Die Lust, die Wortmurmeln in Schlangen legt, immer sieben auf eine Seite. Schlangen, die meine Wahrheit hänseln und mich dann mit großen Telleraugen ansehen. Augen, die nach Lakritz schmecken und von Japan träumen.

In Japan essen sie Kekse, die wie Spargel aussehen. Ich aber möchte ein Wort sein, das dir Film ist. Ein Film, der mich ausspricht und dich an; Ohne Vorspann, ohne Kommata und ohne zu krümeln. Krümel, die die Bitterkeit deiner Haarwurzeln im Schlaf erbeuten ohne das Laken zu berühren. Strähnen versilbernd. Zum Abschied. Zum Abspann. Schwarz-Weiß.

Ich möchte ein Alpenpanorama sein. Sehnsuchtsort, Mikroklima und Edelweiss inklusive und schneeumsäumte Spitzen. Unnahbar, aber Salz auf der Haut, blumig im Abgang. Und dann eine Talfahrt im T-Shirt, das Gipfelkreuz im Rückspiegel, den Sommer ausgebreitet vor mir, mir die Freundschaft anbietend. Schokoladensorbet im Becher lächelst du entwaffnend und spielst den Ball zurück ins erste Kapitel. Nochmal den Vorspann bitte.